Erklärung des LUSK zum Statementpapier von E. Düsing vom 07.12.09
Köln, den 10. Dezember 2009
Bei dem Gastvortrag „Schillers Konzept des ‚höheren Selbst’ in Nietzsches
Umdeutung“ am Montag, 07.12.09, von Frau Edith Düsing ist es zu Protesten gegen
die Referentin gekommen. Mehr als zweihundert Personen nahmen an der
Veranstaltung teil, um ihren Protest gegen die umstrittenen Äußerungen Düsings zur
Homosexualität auszudrücken. Diese hatte sich im Vorfeld durch ihre Unterschrift der
Erklärung „Für Freiheit und Selbstbestimmung – Gegen die totalitären Lesben- und
Schwulenverbände“ angeschlossen und gegenüber der Zeitung EXPRESS geäußert,
dass es eine positive Entwicklung sei, wenn Homosexuelle sich heterosexuell
umorientierten ließen.
Inhalt der genannten Erklärung ist desweiteren die Propagierung und Unterstützung
der Erforschung von sogenannten Konversionstherapien; Therapieversuche also, die
Homosexuelle Heterosexuelle umpolen sollen und in der Vergangenheit bereits zu
schwerwiegenden psychischen Komplikationen und sogar Selbstmordversuchen bei
Probanden geführt haben. Die fachwissenschaftliche Mehrheit lehnt seit jahrzehnten
diese Methoden ab. Mit ihrer Unterzeichnung unterstützt Edith Düsing diese
gefährlichen Methoden, die an psychische Misshandlung grenzen.
In ihrer Veranstaltung hat Edith Düsing eine vorbereitete Stellungnahme zu der Kritik
an ihrer Person austeilen lassen, in der sie äußert, das LUSK kämpfe „gegen
Phantom-Aussagen“. Anstatt sich von ihrer Unterzeichnung zu distanzieren, betont sie
ihr „generelles Eintreten für Grundfreiheiten in unserem Land und für die zu wahrende
Freiheit der Wissenschaft“, ignoriert dabei aber geflissentlich den zweiten Teil des
Titels der von ihr unterzeichneten Erklärung: „Gegen die totalitären Bestrebungen der
Lesben- und Schwulenverbände.“ Des Weiteren betrachtet sie die Kritik an einer
solchen weltfremden Äußerung als Meinungsdiktat von Seiten des LUSK und als
Versuch, „eine philosophische Vortragsveranstaltung an einer Stätte der Wissenschaft
dem Diktat lesben- und schwulenpolitischer Interessenvertretung und ihrer Agitation zuunterwerfen.“ Die implizierten Unterstellungen eines quasifaschistischen Agierens
gegen Rede- und Meinungsfreiheit treten deutlich zu Tage, zumal sie die Kritik in die
Nähe des nationalsozialistischen Regimes rückt. Dass sie dies mit einer der sozialen
Minderheit verknüpft, die unter nationalsozialistischer Verfolgung sehr gelitten haben,
ist eine Beleidigung für das Ansehen der ermordeten Opfer.
In krassem Gegensatz dazu äußert sie in ihrer Stellungnahme, die Würde und der
Wert aller Menschen gelte „uneingeschränkt und ausnahmslos, einerlei, ob sie eine
heterosexuelle, homosexuelle, bisexuelle oder transsexuelle Identität haben.“ Die hier
formulierte Anerkennung sexueller Orientierung als unveränderbare Identität kann im
geschilderten Kontext und ohne die geforderte Distanzierung von den kritisierten
Teilen der Erklärung, die in scharfem Gegensatz dazu stehen, da sie eine
Therapierbarkeit von sexueller Orientierung behaupten, nur als unzureichender
Versuch gewertet werden, sich mit Worthülsen aus der Affäre zu ziehen. Wäre dies
tatsächlich Düsings Überzeugung, so hätte sie sich bereits im Vorfeld problemlos von
der unterzeichneten Erklärung distanzieren können.
Zu Frau Düsings Vorwurf der Diffamierung ihrer Person durch uns:
Wir haben nichts anderes getan, als Frau Düsings Äußerungen – direkter Natur oder
durch Unterschrift getätigt – wiederzugeben und zu kritisieren. Dass sie dies als
Diffamierung zu bezeichnen wagt, wirft unserer Ansicht nach ein interessantes
Schlaglicht auf die Rechtsvorstellung einer Gelehrten, die uns und unsere Kritik in eine
direkte Reihe zu faschistisch-totalitären Regimen setzt. Außerdem würden wir gerne
auf die Darstellung des Vorlesungsablaufs durch Kurt J. Heinz auf medrum.de
verweisen (1), der die Proteste in aller Ernsthaftigkeit ein „Homo-Spektakel“ nennt, sowie
auf die niveaulosen Kommentare in diesem Forum zum genannten Artikel, die Frau
Düsings gewagte historische Verortung unseres Protests in der Nähe des
Nationalsozialismus auf schmutzigste Weise aufgreifen (2). Der Autor des Artikels, den
Frau Düsing umseitig auf ihrem Statement abdruckte, ist eben jener Kurt J. Heinz,wessen Beitrag ebenfalls zunächst auf medrum.de publiziert worden ist. Dieser
Zusammenhang entwirft ein überaus prägnantes Bild des Dunstkreises, als dess’
Geistes Kind Frau Düsing sich so selbst verortet. Dies allein kann und soll ihr nicht
vorgeworfen werden, ihre Äußerungen bleiben dennoch kritikwürdig.
Da wir – im Gegensatz zur oben aufgezeigten Darstellung – nach wie vor auf den
argumentativ geführten Dialog setzen, stellen wir unsere Position, die wir durch unser
Gegenüber stark verzerrt wiedergegeben sehen, hier erneut in toto dar.
Wir betonen – so redundant dies leider ist – erneut:
- Wir sind nicht gegen Meinungsfreiheit, sondern dafür. Daher haben wir unser
Recht wahrgenommen, unsere Meinung zu artikulieren, anstatt für immer zu
schweigen. Unsere Meinung ist, dass Konversionstherapien untragbar sind.
- Wir sind für Freiheit und Selbstbestimmung. Um unsere Selbstbestimmung zu
wahren, wehren wir uns gegen Bestrebungen, unsere sexuelle Identität zu
pathologisieren. Solche Tendenzen hat Frau Düsing durch ihre Unterschrift
gestützt. Wir kritisieren das.
- Wir verwahren uns gegen die von Frau Düsing unterzeichnete Vorstellung, dass
die Lesben- und Schwulenverbände Deutschlands totalitären Bestrebungen
anhängen. Gerade deshalb stellen wir uns hier erneut dem Dialog. Da die
Lesben- und Schwulenverbände keine politische Partei darstellen, für die eine
„Machtübernahme“ möglich ist, kann der Glaube an totalitäre Bestrebungen nur
auf einer paranoiden Angst vor der Unterwanderung staatlicher Organe durch
die immer wieder sogenannten „Homo-Lobbyisten“/ „Homo-Ideologen“ beruhen.
Eine Vorstellung, die in einschlägigen Foren wie kreuz.net, medrum.de und
kath.net ständig anzutreffen ist. Wir halten solche Ängste für irrational und für
homophob. Wie jede andere Interessengemeinschaft vertreten die Lesben- und
Schwulenverbände ihre Meinung, um sie auch politisch wirksam zu machen.
Das ist nicht totalitär oder subversiv, sondern Teil des demokratischen
Prozesses. Eine Erklärung mit dem Untertitel „Gegen die Totalitären
Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“ und deren Unterzeichner
müssen wir kritisieren.
- Wir nehmen uns das Recht heraus, Menschen, die uns als
Gesinnungsterroristen (3) diffamieren, als ebensolche anzusehen. Solche
Diffamierungen stehen außerhalb von jedem wissenschaftlichen Diskurs oder
jeder Meinungsäußerung. Beleidigungen und agressive Drohungen gegen uns
sind von allen Beteiligten unabhänig ihrer Perspektive auf das Äußerste zu
verurteilen.
——
1 http://www.medrum.de/?q=content/universitaet-koeln-ein-ambivalenter-schauplatz
2 Zwei der blumigsten Kommentare seien hier zu Illustrationszwecken zitiert:
„Redeerlaubnis
Benötigt man künftig, auch wenn man zu Nicht GLBT-Themen ungestört reden will (Dr. Düsing Philosophie und
Literaturgeschichte, ich nur angeblich “langweilige” Finanzthemen) eine lila-rot-grüne Redeerlaubnis? Wo kann
man sich diese beschaffen? Was muß man für die Gesinnungsprüfung einreichen? - Oder bin ich durch meine
bisherigen Meinungsäußerungen bereits disqualifiziert? - Hilft evtl. eine Generalentschuldigung auch für alles, was
man bisher noch nicht gesagt hat und zukünftig nicht zu sagen beabsichtigt? Verliert man diese Redeerlaubnis,
wenn man sich für eine allgemeine Meinungsfreiheit einsetzt? Da die Behörde für Meinungsterror im
Behördenverzeichnis nicht leicht zu finden ist und auch sonst recht selten auftritt: Welche Anschrift hat die “Lila
Gestapo/Stasi” ? (Ich kenne keine anderen Behörden, die sonst “berechtigt” sein könnten, allgemeine Redeverbote
zu erteilen) (Wir haben ja verstanden, daß man sich zu GLBT-Themen nur zustimmend jubelnd äußern darf, aber
wer hilft einem, wenn man unsicher ist, zu welchem Detail man gerade jubelnd zustimmen darf? Weder der
Völkische Beobachter noch das Neue Deutschland können uns hier weiterhelfen.)“ (Von: user Klaus Brinkmann,
09.12.2009, 4.49 Uhr)
„Täter und Mitläufer
“Der Prodekan der Philosophischen Fakultät, Professor Walter Pape, war zwar anwesend, aber nach dem Eindruck
mehrerer Teilnehmer schien er sich eher mit der Protesttruppe solidarisieren zu wollen, als für einen störungsfreien
Vorlesungsbetrieb zu sorgen.” Das sind die eigentlichen Mitläufer totalitärer Regimes, die aus mißverstandener
Gutmenschenideologie, resultierend aus ausreichender Gehirnwäsche der Propagandamaschinerie und einseitigem
Toleranzverstehen rot/grüne gewaltbereite Meinungsterroristen nicht nur dulden, sondern heimlich fördern. Man
denke an die rotgrünen Brandstifter in Städten wie Berlin und Hamburg, da kann keiner sagen, dass die Politik
gegen diese Verbrecher bisher ernsthaft eingeschritten ist. Daran kann man sehen, dass roter Terror dem braunen
verblüffend ähnlich ist. Nur Menschen wie Euch allen hier werden wir es zu verdanken haben, dass rot/grüner
faschistoider Terror im letzten Moment verhindert wurde. Der Protest dagegen kommt leider nicht aus den Reihen
unserer “Elite”, daher gilt mein großer Dank Frau Dr. Düsing, die den Anfang macht. Wir brauchen viel mehr
Intellektuelle, die das Rückrat haben, gutmenschelnden Lobbyisten die Stirn zu bieten und rechtzeitig “nein” zu
sagen.“ (Von: user Gast, 09.12.2009, 9.32 Uhr, beide gesehen auf s.o., 11.10 Uhr)
3 Zur Information noch eine Beispielemail, wie wir sie zur Zeit täglich erhalten:
“Betreff: Gesinnungsterror
Text:
Das ist eine Riesensauerei, die ihr da veranstaltet habt bzgl Frau Prof. Düsing! Pfui Teufel! Ist das euer
Verständnis von Demokratie? Ist es in unserem Staat mittlerweile nicht mehr möglich, seine Meinung frei zu
äußern, nur weil es irgendwelchen Schwuchteln nicht passt? Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Mit
Nazimethoden jemanden fertigmachen, weil er anderer Meinung ist - zum Kotzen.”